Belgisches Staatsarchiv

Hüter unserer kollektiven Erinnerung

FR | NL | DE | EN
Menu

Kolonialarchiven

Texte petit  Texte normal  Texte grand

Die laufende Überführung der „Afrika-Archive“ an das Generalstaatsarchiv 2

Zurzeit werden die „Afrika-Archive“ vom FÖD Auswärtige Angelegenheiten, Außenhandel und Entwicklungszusammenarbeit (kurz: FÖD Auswärtige Angelegenheiten) gemäß der 2014 und 2017 unterzeichneten Vereinbarungen an das Staatsarchiv überführt. Die 9,5 laufenden Kilometer Archivgut werden im Generalstaatsarchiv 2 – Depot Joseph Cuvelier (GSA2) eingelagert und bleiben während des gesamten Vorgangs zugänglich. Seit 2016 wurden bereits 3 laufende Kilometer an Archivalien abgeliefert.

Bereits überführte und zugängliche Archivbestände im GSA2 – Depot Joseph Cuvelier

Rund 87.000 Personalakten des Verwaltungspersonals in Afrika

Die im Generalstaatsarchiv 2 aufbewahrten Personalakten des Verwaltungspersonals in Afrika sind in vier große Gruppen unterteilt:

  • Archivfonds „Métropole“ mit 26.809 Personalakten, durch die Verwaltung des Mutterlandes angelegt;
  • Archivbestand „Colonie“ mit 47.272 Personalakten, durch die Verwaltung in Afrika angelegt;
  • Archivbestand „Kinshasa“ mit 2.429 Personalakten, durch den belgischen technischen Unterstützungsdienst unmittelbar nach der Unabhängigkeit angelegt;
  • Der Archivbestand „Dossiers généraux et individuels du Personnel d’Afrique“ (Allgemeine Akten und Personalakten des Verwaltungspersonals in Afrika) mit rund 10.000 Karteikarten von Personalakten Verwaltungspersonals von Kongo-Freistaat.

Andere Archivbestände:

  • Der Archivbestand „Statut du personnel“ der Verwaltung in Afrika;
  • Der Archivbestand „Personnel de l'ordre judiciaire“ (Personal des gerichtlichen Stands) der Verwaltung in Afrika;
  • Die Kartensammlung „Cartothèque“ der Verwaltung in Afrika mit über 12.000 Karten und Plänen;
  • Der Archivbestand „Bibliothèque“ des Ministeriums der Kolonien;
  • Der Archivbestand „Affaires indigènes Ruanda-Urundi“ (Indigene Angelegenheiten Ruanda-Urundi) des Ministeriums der Kolonien;
  • Der Archivbestand „Hygiène“ des Ministeriums der Kolonien;
  • Der Archivbestand „Albert Duren“ Gesundheitsberater des Ministeriums der Kolonien;
  • Personalakten des Kreditantragstellers, „Société de Crédit aux Classes moyennes et à l’Industrie (colonat)“;
  • Der Archivbestand „Rechtsberater“ des Ministeriums der Kolonien.

Demnächst an das Generalstaatsarchiv 2 zu überführende Archivbestände

Folgende Bestände werden zurzeit archivalisch bearbeitet (Ordnung, Verzeichnung/Anpassung an Verzeichnungsnormen, Signierung und Neuverpackung):

  • Der Archivbestand „Missions“ des Ministeriums der Kolonien;
  • Die Personalakten des Verwaltungspersonals in Afrika, das bis 1918 in Kongo-Freistaat und in der Verwaltung in Afrika angestellt war;
  • Die Personalakten des Hilfspersonal (personnel auxiliaire) der Verwaltung in Afrika (Congo);
  • Die Personalakten des Hilfspersonal (personnel auxiliaire) der Verwaltung in Afrika (Ruanda-Urundi);
  • Der Archivbestand „Auswärtiger Dienst I“ (Affaires étrangères I)  des Kongo-Freistaat und des Ministeriums der Kolonien;
  • Der Archivbestand „Office de colonisation et crédit au colonat“ des Ministeriums der Kolonien;
  • Der Archivbestand „Office colonial“ des Ministeriums der Kolonien.

Ein über ein Jahrzehnt laufendes Großprojekt

Die Arbeitsgruppe „Afrika-Archive“ ist nicht nur die Überführung der 9,5 laufenden Kilometer an „Afrika-Archiven“ verantwortlich, sondern auch für die archivalische Bearbeitung von 4 km Archivgut des Ressorts Entwicklungszusammenarbeit und 6 km diplomatisches Archivgut. Alle diese Archivalien werden zum Generalstaatsarchiv 2 überführt. Insgesamt wird sich die Arbeit über rund ein Jahrzehnt erstrecken und ca. 20 laufende Kilometer Archivgut betreffen.

Andere beim Staatsarchiv aufbewahrte Archivbestände über die belgische Präsenz in Zentralafrika (1885-1962)

Das Generalstaatsarchiv 2 bewahrt noch zahlreiche weitere öffentliche und private Archivbestände über die belgische Präsenz in Afrika auf:

  • Die Einzelfallakten der Commission d'indemnisation (Entschädigungskommission) und der Commission supérieure d'indemnisation des dommages du Congo (Hohe Entschädigungskommission);
  • Die Personalakten der Administration de la reconstruction des dommages du Congo (Verwaltung für Wiederaufbau);
  • Die Personalakten der Société de crédit aux classes moyennes et à l’Industrie (Kreditgesellschaft für Mittelstand und Industrie);
  • Das Archiv der Bergbaugesellschaft Union minière du Haut-Katanga (UMHK);
  • Das Archiv der Eisenbahngesellschaft Compagnie des chemins de fer du Congo Supérieur aux Grands Lacs africains;
  • Das Archiv der Industrie- und Bergbaugesellschaft Société industrielle et minière du Congo oriental;
  • Das Archiv der Handels- und Industriegesellschaft Compagnie pour le commerce et l’industrie du Congo (CCCI) (Finoutremer);
  • Das Archiv der belgisch-deutschen Handelsgesellschaft Société commerciale belgo-allemande du Congo.

In weiteren Depots, vor allem im Generalstaatsarchiv (GSA, gelegen Rue de Ruysbroeck 2 in Brüssel), werden ebenfalls dutzende Archivbestände mit Bezug zu Afrika aufbewahrt, unter anderem:

  • Das Archiv der provisorischen Finanzverwaltung Administration provisoire des affaires financières du Congo, du Ruanda et Urundi;
  • Das Archiv des Finanzministeriums. Generalsekretariat (Kongo-Akten);
  • Das Archiv von Jules Renquin;
  • Das Archiv von Henri Jaspar;
  • Das Archiv des Kabinetts des Premierministers Hubert Pierlot im Exil in London;
  • Das Archiv von Pierre Wigny;
  • Das Archiv des agrarwissenschaftlichen Instituts Institut national pour l’étude agronomique du Congo belge (INEAC);
  • Das Archiv des Königlichen Belgischen Kolonialinstituts Institut royal colonial belge;
  • Das Archiv der  Pater-Damian-Stiftung zur Bekämpfung der Lepra;
  • Die Archive des belgischen und des kongolesischen Roten Kreuzes.

Der Leitfaden zu den Kolonialarchiven bietet einen genaueren Überblick über die verfügbaren Quellen: Congo. Archives coloniales, Brüssel, Generalstaatsarchiv und Staatsarchive in den Provinzen, 2012 (Leitfäden, Nr. 36). Diese Veröffentlichung kann kostenlos heruntergeladen werden.

Die Maßnahmen des Staatsarchivs zur „Entkolonialisierung“ der belgischen öffentlichen Kolonialarchive

Nachschlagewerke

  • Ein unumgängliches Nachschlagewerk: der für 2020 vorgesehene Quellenführer zur Kolonialgeschichte
    Das Staatsarchiv und das Afrikamuseum werden im Laufe des Jahres 2020 gemeinsam einen Archivführer zur belgischen Kolonialgeschichte herausgeben (in Französisch und Niederländisch). Dieses umfangreiche Nachschlagewerk setzt die Gesamtheit des in Belgien aufbewahrten Archivguts zum Thema in ihren Kontext. Der Archivführer wurde unter der Leitung von Pierre-Alain Tallier, Abteilungsleiter beim Staatsarchiv, und Sabine Bompuku Eyenga-Cornelis des Dienstes „Kultur und Gesellschaft“ des Afrikamuseums verfasst. Das rund 1.500 Seiten starke Findmittel bietet einen Überblick der verfügbaren Quellen und der belgischen und ausländischen Archivbildner. Mittels einer Ordnung nach Funktionsprinzip bietet der Archivführer auf benutzerfreundliche Weise Antworten auf die Fragen der Nachforscher.
  • Bibliographie zur Kolonialgeschichte
    Eine Bibliographie zur belgischen Kolonialgeschichte (Kongo, Ruanda und Burundi) wird derzeit von Sofie Ongena fertiggestellt.
  • Bereits 2012 veröffentlichte das Staatsarchiv einen Leitfaden zu den Kolonialarchiven und im darauffolgenden Jahr die Niederschrift der Konferenz Africa Europe Archives, Requirements? Collaborations? Plans? DR Congo, Rwanda, Burundi and Belgium’ : Proceedings of the International Colloquium organized by the State Archives in Belgium and the Royal Museum for Central Africa (15-17/12/ 2010), Brüssel, Generalstaatsarchiv und Staatsarchive in den Provinzen, 2012 (Studia, Nr. 138).

Weiterbildung afrikanischer Archivare

Seit rund einem Jahrzehnt bietet das Afrikamuseum in Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv und im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit ein Weiterbildungsprogramm für afrikanische Archivare an. Diese Weiterbildung besteht aus Theorieunterricht (in einer ersten Phase in Belgien gegeben und seit 2020 auch an einer afrikanischen Universität) und einem Vertiefungslehrgang in Belgien. Alle zwei bis drei Jahre arbeiten zwei bis drei Praktikanten im Rahmen dieser Vertiefungslehrgänge beim Staatsarchiv.

Projekt „Rwanda Archives“

Die belgische Regierung hat sich dazu bereit erklärt, das in Belgien aufbewahrte öffentliche und private Archivgut über die Kolonialzeit in Ruanda digital bereitzustellen, da es sich um gemeinsames archivalisches Kulturerbe handelt. Eine Expertendelegation aus Ruanda ist im August 2019 nach Belgien gereist, um ihre belgischen Kollegen (Afrikamuseum, FÖD Auswärtige Angelegenheiten und Staatsarchiv) zu treffen und Prioritäten festzulegen.

Projekt „Résolution-Métis“

Das seit Sommer 2019 beim Staatsarchiv laufende Projekt „Résolution-Métis“ wurde als Umsetzung der von der Abgeordnetenkammer verabschiedeten Resolution vom 29. März 2018 über die Aufarbeitung der Segregation von Mischlingen in Afrika während der belgischen Kolonialzeit ins Leben gerufen. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem FÖD Auswärtige Angelegenheiten ausgeführt. Die Arbeiten finden in zwei Phasen statt: zunächst werden Hilfsmittel geschaffen, um Mischlingen und ihren Nachkommen den Zugang zu Informationen, die sie betreffen, zu erleichtern; anschließend wird eine historische Studie über die aus der belgischen Kolonisierung Afrikas hervorgegangenen Mischlinge und über die Verantwortung des belgischen Staats durchgeführt.

Projekt „FED-tWIN. Archives et histoire coloniales belges“

Im Februar 2020 hat ein FEDtWIN-Projekt (Partnerschaft zwischen dem Staatsarchiv und der Universität Saint-Louis-Bruxelles) zu den Archiven und der Geschichte der belgischen Kolonialzeit begonnen. Ein Doktor der Geschichte, Frau Bérengère Piret, wurde für beide Institutionen angeworben, um Kolonialgeschichte zu unterrichten, Grundlagenforschung zu betreiben, und an der laufenden Überführung der Afrika-Archive sowie der Valorisierung dieses Archivguts mitzuwirken.

Arbeitsgruppe „Afrika-Archive“ des Staatsarchivs

Generalstaatsarchiv 2 – Depot Joseph Cuvelier
Rue du Houblon, 26-28 in 1000 Brüssel
agr_ar_2@arch.be
02 274 15 00

Prof. Dr Pierre-Alain Tallier
Diensttuender Leiter Departement „Brüssel“
Dienstleiter „Archive der Neusten Zeit“
Projektförderung Résolution-Métis, Rwanda Archives und FED-tWIN. Archives et histoire coloniales belges

Joachim Derwael
Dienstleiter Generalstaatsarchiv 2 – Depot Joseph Cuvelier
Verantwortlicher der Arbeitsgruppe „Afrika-Archive“

Dr Luis Angel Bernardo y Garcia
Staatsarchivar
Koordinierung der Überführung der „Afrika-Archive“, Projektförderung Résolution-Métis und Rwanda Archives, Projektleitung FED-tWIN. Archives et histoire coloniale belge.

Anaïs Bartet
Archivverwaltungsassistentin
Projekt „Résolution-Métis“

Faissal Beddi
Archivverwaltungsassistent
Überführung der „Afrika-Archive“

Papy Ibula Kabaka
Freiwilliger Archivar
Überführung der „Afrika-Archive“

Dr Delphine Lauwers
Archivarin
Projektleiterin „Résolution-Métis“

Jean-François Meert
Archivverwaltungsassistent
Überführung der „Afrika-Archive“

Prof. Dr Bérengère Piret
Archivarin
Projekt „FED-tWIN. Archives et histoire coloniales belges“

Victoria Prokowska
Freiwillige Archivarin
Überführung der „Afrika-Archive“

Prof. Dr Marie Van Eeckenrode
Archivarin
Koordinierung der Überführung der „Afrika-Archive“, Leitung der Projekte „Résolution-Métis“ und „Rwanda Archives“

www.belspo.be www.belgium.be e-Procurement